Die aktuelle Entwicklung mit dem Fund der Larven u.a. des Eremiten wurde zum Anlass genommen beigefügten Brief mit einigen offenen Fragen an die Untere Naturschutzbehörde (UNB) zu richten und zur Kenntnis auch an das Niedersächsische Landesamt für Umweltschutz (NWLKN) sowie an das Ministerium für Umwelt und Klimaschutz weiterzuleiten.
Denn der Funde des Eremiten in der abgeholzten Fläche ist ermutigend - aber man muss sich immer vor Augen halten, dass im Herbst noch einmal gut 28ha gerodet oder gekappt werden sollen - und das ist dann fast ausschließlich historisch alter Baumbestand.
Darum gilt es jetzt zu kämpfen, d.h. es gilt zu erreichen, dass jetzt endlich eine fachlich und methodisch fundierte Untersuchung der Holzkäfer im Betroffenheitsbereich stattfindet - vor allem in dem Waldbestand der, im Herbst zur Rodung, Kappung etc. ansteht - um die Katastrophe, die jetzt eingetreten ist, zu vermeiden, nämlich, dass streng geschützte Arten erst gefunden werden, wenn die Bäume schon gefällt sind - ein Supergau für die Behörde, die für die Umsetzung der Naturschutzaspekte verantwortlich ist.
Dabei geht es nicht nur um den Eremiten, sondern auch, oder sogar noch mehr um den Veilchenblauen Wurzelhalsschnellkäfer (Limoniscus violaceus - FFH-Liste Anhang II)), der gerade auf die (von außen oft nicht sichtbaren) mulmreichen Stammfußhöhlen angewiesen ist, die im Querumer Forst ungewöhnlich zahlreich und in ungewöhnlich guter Ausprägung vorhanden sind. Nach dieser Schnellkäfer-Art, von der es bisher nur einen Nachweis in Niedersachsen gibt, hat bisher keiner gesucht, sie ist bisher völlig "unter den Tisch" gefallen, obwohl die Lebensbedingungen für diese Art im Querumer Forst potenziell vorhanden sind. Jetzt sind aber zusammen mit den Larven des Eremiten auch Larven von Schnellkäfern gefunden worden => Jetzt ist eine systematische Untersuchung dringend geboten.
Die Reaktion der Flughafengesellschaft auf die Larvenfunde nach dem Motto "egal, was passiert - wir machen weiter", war nicht anders zu erwarten. Wahrscheinlich könnte man im Querumer Forst ein Mammut finden - es würde nichts ändern: die Natur würde weiter platt gewalzt. Die Eile von Seiten der Ausbaubetreiber und ihrer ergebenen Helfershelfer dort irreversible Fakten zu schaffen, wird immer deutlicher und grotesker.
Der Fund des Eremiten ist schön - aber wie man sieht - er wird geflissentlich ignoriert. Im Übrigen ist der Fundort nicht "außergewöhnlich", sondern - zumindest wenn man den Berichten der Augenzeugen und der nun notdürftig mit Trassierband gekennzeichneten Fläche folgt - genau dort, wo laut Gutachter THEUNERT (2004) im Rahmen der Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) im Zuge des Planfeststellungsverfahrens (Kartierungen von Pflanzen und Tieren 10.1; Abb. 3, S. 72)"ein Vorkommen des Eremiten für am wahrscheinlichsten gehalten wird". Im Übrigen hat der Gutachter und auch das Büro LAREG die Holzkäfer-Untersuchungen im Rahmen der UVS als "nicht systematisch" bezeichnet - d.h. alles was bisher zu Holzkäfern im Querumer Forst gemacht wurde, ist unter "Zufallsfunden" zu verbuchen - das ist etwa so als würden die prospektiven neuen Nutzer der verlängerten Landebahn bei ihren Start-/Landeversuchen keine Daten zum Auftrieb erheben.
Man darf gespannt sein,was nun in den mit Trassierband markierten Flächen geschieht - erfolgt nun endlich die nach Planfeststellungsbeschluss vorgeschriebene gründliche Untersuchung der Holzkäfer mit fachlich adäquaten Methoden (aufgrund der Sachlage eigentlich eine Selbstverständlichkeit) oder wieder wieder eine der typischen Untersuchungen, bei der nichts gefunden wird, wo nichts gefunden werden darf.
Man fragt sich, warum beginnen diese Untersuchungen der Holzkäfer erst jetzt, nach dem Fund einer streng geschützten Art? Warum wurde damit nicht schon vor 2,5 Monaten, also "nach dem Fällen" (wie der Planfeststellungsbeschluss vorschreibt) angefangen?
Als seriöse Firma müsste das bisher dort tätige Gutachterbüro den Auftrag für diese Untersuchungen zurückweisen, um nicht in Interessenskonflikte zu geraten und die UNB bzw. Flughafengesellschaft sind gehalten von sich aus eine andere Firma beauftragen, auch um die bisher dort tätige Gutachterfirma zu schützen.
Denn würde die bisher dort tätige Gutachterfirma jetzt etwas finden, das den Ergebnissen ihrer früheren Erhebungen
widerspricht (z.B. weitere Eremitenvorkommen oder gar den Veilchenblauen Wurzelhalsschnellkäfer o.ä.), würde sie sich doch selbst ein schlechtes Zeugnis ausstellen - warum also die Gutachterfirma in eine solche Situation bringen?
Die Frage ist, muss nicht die Auftragsvergabe für solche Untersuchungen, die ja im öffentlichen Interesse durchgeführt werden, sowieso öffentlich ausgeschrieben und mindestens 3 Angebote eingeholt werden?