Text Size

Schavanismus - Plagiate und die Folgen

  • Ulenspiegel
  • Ulenspiegels Avatar Autor
  • Besucher
  • Besucher
9 Jahre 11 Monate her #8750 von Ulenspiegel
Über die Qualität des Beschi**es

Angeblich sei Schavans Plagiat "geschickt gemacht", heißt ein Beitrag bei der Tagesschau online. Man könnte jetzt eine nachträgliche Belobigung der wegen ihrer Plagiats-Doktorarbeit zurückgetretenen Bildungs-, Forschungsministerin vermuten.

Dabei ist sie immer noch recht uneinsichtig: "Annette Schavan fühlt sich unfair behandelt. Energisch bestreitet die Bildungsministerin eine Täuschungsabsicht und will gegen die Aberkennung des Doktortitels klagen".

Das ist zweifelsfrei ihr gutes Recht. Aber sie war es auch, die damals gnadenlos von zu Guttenbergs Rücktritt forderte, damit das Amt an sich nicht beschädigt würde.

Entzug des Doktorgrades war bei Schavan zwingend

In ihrem eigenen Falle heißt nun sogar: "Der Entzug des Doktorgrades war wegen "der Vielzahl an Plagiatsstellen" zwingend". Die Universität Düsseldorf hatte keine Wahl.

Fakten: Die Gesamtdokumentation der Plagiatsstellen umfasst rund 100 Seiten, und das macht das Ausmaß ihres Vorgehens deutlich. Im Fall Schavan sei die Zahl der kritisierten Stellen ja von Monat zu Monat gewachsen, so ein Experte im Beitrag der Tagesthemen.

Schavan habe immer wieder so getan, als habe sie sich mit Primärliteratur, mit Denkern beschäftigt. Die Interpretation dieser Denker hat sie jedoch immer wieder aus anderer Literatur übernommen, ohne sie zu nennen.

Keine Verjährungsfrist für Promotionsordnungen

Es gibt in den Promotionsordnungen keine Verjährungsfrist. Mit der Lehrbuchliteratur der 1970er-Jahre wurde belegt, dass damals auch an dem Institut der Uni Düsseldorf klar vorgeschrieben war, was zulässig und was nicht zulässig war.

Wenn es nun heißt, das sei "geschickt" gemacht, dann könnte man hier Zweifel äußern. Sonderlich klug oder geschickt ist das vor allem nicht, weil allein schon durch die Fülle der Plagiatsstellen (200 vergessene Zitatsanzeigen) jedem, der sich näher mit der Arbeit befasst, eher auffallen muss, dass mit der Arbeit was nicht stimmt. Und Rausreden, dass man mal was vergessen hat, geht dann doch auch nicht so leicht.

Meiner Meinung nach war damit Schavans Plagiat keinesfalls so geschickt gemacht, sondern so, wie sich Frau Schavan langjährig auf der politischen Bühne bewegt hat: sie wirkte hölzern bis steif und so, als habe sie jemand nach vorne ans Rednerpult geschickt. Esprit und Ausstrahlung habe ich stets bei ihr vermisst. Als dann klar wurde, dass sie Merkels Busenfreundin ist, habe ich auch verstanden, weshalb sich diese Frau so lange im Amt hielt.

Parellelen zum Fall Guttenberg?

Grob betrachtet ja, würde ich sagen: Beide haben irgendwo abgeschrieben, ohne das zu signalisieren und somit zu Unrecht und wegen eigener Leistungen ihren Titel abgestaubt.

Unterschiede: Annette Schavan und Karl-Theodor zu Guttenberg
Der Experte Weber:

"Es gibt hier gravierende Unterschiede - sowohl beim Plagiieren als auch bei den Betreuern. Der Betreuer der Guttenbergschen Dissertation hätte das Plagiat bemerken oder eine Plagiatssoftware bemühen müssen, mit der man relativ schnell die Plagiate entdeckt hätte.
Bei Frau Schavan war es viel schwerer, auf das Plagiat zu kommen - weil das Plagiat so geschickt gemacht war. Deswegen hat der Betreuer im Fall Schavan - im Unterschied zum Fall Guttenberg - kaum Schuld. Mit den damaligen Mitteln hätte man diese Form des Plagiierens von Sekundärliteratur kaum entlarven können".


;) Aber Herr Weber, das sagt doch nichts über das Plagiieren an sich aus, beschi**en haben doch beide, auch wenn die prüfungsbeauftragte Uni zu Zeiten Guttenbergs bereits eine Software hatte und Frau Schwavans Uni noch nicht.

tagesschau.de: "Gibt es beim Plagiieren auch deutliche Unterschiede?"
Weber: "Guttenberg war aber ein wesentlich massiverer Plagiator als Schavan. Aber: Nur weil jemand eine Million gestohlen hat, hat derjenige, der nur 100.000 geklaut hat, kein Bagatelldelikt begangen".

Die deutschen Verwaltungsgerichte seien wesentlich strenger als die Universität Düsseldorf und haben schon Arbeiten als Plagiat gewertet, nur weil wenige Seiten oder einzelne Absätze als Plagiat erkannt wurden, heißt es.
"Und das geschieht zum Schutz der Wissenschaft - zu recht. Die Zitierregeln sind einzuhalten. Kleine Versäumnisse mögen vorkommen, aber nicht an dutzenden Stellen".
Das Gespräch führte Eckart Aretz, tagesschau.de
www.tagesschau.de/inland/schavan-interview100.html

Schavan ist kein Einzelfall

Was aber tut man nun? Es kommen Forderungen nach einer Verjährung auf. Amnesie für Schwindel-Eliten? Weshalb, weil diese nun auch etwa so systemrelevant wie die Finanzeliten, die uns die Krise eingebrockt haben? Auch aus der Wissenschaft, man müsse die Einführung einer Verjährungsfrist nachdenken.
Genau, was nicht passt, wird eben passend gemacht.
B) Das könnte euch so passen!

Stichproben sollten üblich sein

Viel wichtiger, es werden auf anderer Seite auch Forderungen nach "Stichproben" laut. Aber bislang habe diese nur die Universität Klagenfurt gemacht, heißt es. Im Jahr 2006 wurden dort nach - WOW! - drei Plagiatsfällen Stichproben veranlasst und hunderte Doktorarbeiten digitalisiert.

"So ein umfangreiches Unterfangen kann aber eine Universität nur schwer bewältigen - es sei denn, man richtet eigene Stellen dafür ein", meint ein Experte. In Österreich bspw. gibt es die "Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität", auch in den USA ein ähnliches Institut.

Merkelwürdiges Entlassungs-Zeremoniell


Merkel alone - "Mein rechter rechter Platz ist leer, wen wünsch' ich mir als nächstes her...?"
{Bildquelle HAZ)

Die Community war sich bereits vor Schavans Rücktritt einig. Das hängt vor allem mit einem merkelwürdigen, mittlerweile schon ziemlich eingefrorenen Zeremoniell zusammen, dass unsere MissKanzlerin bei jedem Fehler punktgenau abspult, den sich ihr erwähltes Spitzenpersonal in immer kürzeren Abständen leistet.
Das wirkt ebenso wie die etwas senil wirkende Miss Sophie alljährlich an Silvester:
"The same procedure as every year, James Folks!"

:unsure: Merkels Vertrauen? - Keinen Pfifferling wert!

- Merkel zum Fall Jung (CDU): "Franz-Josef Jung hat mein Vertrauen, ja."
Volles Vertrauen der Kanzlerin, aber Rücktritt Jungs zwei Tage später wegen der so genannten Kundus-Affäre.

- Merkel zum Fall Guttenberg (CSU): "Ich habe eine Berufung bei Karl-Theodor zu Guttenberg vorgenommen zum Verteidigungsminister. Ich habe keinen wissenschaftlichen Assistenten berufen", sagte Merkel im Februar 2011.
Zwölf Tage später der Rücktritt.

Merkels Sprecher Selbert: "Der Bundesverteidigungsminister genießt das Vertrauen und die Unterstützung der Bundeskanzlerin. Daran hat sich nichts geändert in den letzten Tagen."
Guttenberg selbst: "Weil ich am Wochenende, auch nachdem ich mir diese Arbeit noch einmal intensiv angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe."

- Merkel im Fall Röttgen (CDU): Auch hier stellt sie sich VOR der NRW-Wahl hinter den Mann, bis die Wahl zeigt, dass er Verluste einbringt und nach Berlin lässt sie ihn nicht zurückkehren.

- Merkel zum Fall Wulff: "Vollstes Vertrauen!". Nach 61 Tagen tritt er ab.

Wenn das so weiter geht mit dem Verschleiß ungeeigneter Kräfte in der Union, dann wird es am Ende doch noch ein "Dinner for one" für Merkel...

schlussfolgert
Ulensp!egel

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Ulenspiegel
  • Ulenspiegels Avatar Autor
  • Besucher
  • Besucher
9 Jahre 11 Monate her - 9 Jahre 11 Monate her #8851 von Ulenspiegel
"Handwerkliche Fehler." - Plagiat am geistigen Eigentum gilt noch nicht als Handwerk.
Guttenberg und Schavan: die Doktoren der Herzen

(Von Raul Rojas 07.02.2013)

Promotion und Honorarprofessuren als Spielwiesen für Politiker...
www.heise.de/tp/artikel/38/38522/1.html

Schavan und die Seilschaften -
Warum man an der Universität Düsseldorf auch nach einem Abschied der Ministerin zittern wird

(Von Peter Mühlbauer)

"In akademischen Kreisen heißt es derzeit, dass die beiden Düsseldorfer Professoren Stefan Rohrbacher und Bruno Bleckmann "Märtyrer" seien - und zwar deshalb, weil man erwartet, dass sie und ihre Universität in den nächsten Jahren und Jahrzehnten spürbare Nachteile haben werden, wenn es um die Verteilung von Fördergeldern geht. Das wird sich möglicherweise auch dann nicht ändern, wenn Annette Schavan ihren Posten als Bildungsministerin aufgeben muss. Denn sie ist Teil von Netzwerken, die auch nach ihrer Entlassung weiter bestehen werden..."
www.heise.de/tp/artikel/38/38528/1.html
Letzte Änderung: 9 Jahre 11 Monate her von Ulenspiegel.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Ladezeit der Seite: 0.176 Sekunden

Suche

Forum

  • Keine Beiträge vorhanden.