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Unverwelfter Strahlenfranz PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Rosenbaum   
Sonntag, den 19. Februar 2012 um 13:55 Uhr

Quadriga-Aufbringung - Karikatur: Ulenspiegel

 

Anläßlich der offiziellen Schenkungs-Übergabe der Quadriga an die Stadt am 27.10.2008 freute sich OB Hoffmann über Vergangenes und offenbarte seine Zukunftsvision für die Stadt:


"Braunschweig wird unter diesem Zeichen eine weitere große Zukunft haben"

(nachzuhören hier auf you-tube-Filmmitschnitt)

 

Nun sind wir drei-einhalb Jahre weiter und die Zukunft scheint mit der Vorbereitung einer 100-Jahr Feier der Hochzeit der Kaisertochter unmittelbar vor der Tür zu stehen.


Wenn nicht der Umgang mit dem Alt-Gedienten so manche Tücke hätte...

 

...und so trug schon damals ein Festredner im Rahmen dieser Feierstunde mit viel Pathos ein altes Schloss-Gedicht vor, welches der Schenker Borek zusammen mit der Quadriga auch der Stadt überlassen hat.


Bis zum heutigen Tage befindet sich dieses Gedicht in der vorgetragenen Form immer noch auf der Homepage der Stadt - Schlossgedicht

 

Was es mit den kryptischen Zeilen auf sich hat, entschlüsselt der nachfolgende Beitrag...


...von Matthias Witte, welcher mit freundlicher Genehmigung vom Braunschweig-Spiegel.de  in die neue Ausgabe der BI-Zeitung "Unser-Braunschweig" übernommen worden ist :


"Unverwelfter Strahlenfranz" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Matthias Witte - Donnerstag, den 03. September 2009

Die rätselhaften Sprachschöpfungen des Braunschweiger Schloss-Dichters U.B. und eine verblüffende Interpretation derselben.

Auf der Internetseite der Stadtverwaltung gibt es zum unerschöpflichen Thema ‚Schloss’ und ‚Quadriga’ labyrinthische Pfade, die auch von Eingeweihten nur selten begangen werden. Das ist schade, denn manchmal finden sich am Ende solcher Wege wahre Kleinode. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das Gedicht „Herzögliches Schloss zu Braunschweig. Zerstörung durch Brand“, das sich ganz unten im Pressematerial zur Quadrigaaufbringung findet. Dieses vergessene Gedicht, von einem gewissen U.B., offenbar unter dem unmittelbaren Eindruck des katastrophalen Brandes von 1865 geschrieben, wurde - so ist dort zu lesen - von Richard Borek der Stadt überlassen.

Vorgestellt seien zunächst die ersten zwei Strophen dieses Gedichtes. Bitte lesen Sie sorgfältig, am besten laut, Wort für Wort, ja Buchstabe für Buchstabe - Lyrik will nicht überflogen werden - und versuchen Sie des Dichters Gedanken nachzuvollziehen (Ich habe die Stellen, an denen das schwierig werden könnte, hervorgehobenen):

Es stand ein Schloss zu Braunschweig, der alten Welfenstadt,
Das nimmer seines Gleichen Deutschen Landen hat.
Richt Riesentürme drohen fein, Festungswall erschredt,
Ein Landhaus möchte es heißen, im grünen Bars versteckt.

Das Aug’ des Wandrers blendet nicht, Schluck noch eitle Bier,
Richt leere Schnörseleien umdüstern Tor und Tür,
Einfach, doch Stolz und Edel es sich im Bau erweist,
So einfach, Stolz und Edel, wie seines herrliches Geist.

 

Richte Riesentürme, grüne Bars und Schnörseleien, ..... Eine Welt voll unerhörter Gegenstände. Ein Eindruck, der sich durch kryptische und grammatisch nicht mehr fassbare Einsprengsel ("Schluck noch eitle Bier" und "wie seines herrliches Geist") noch steigert.

Was soll das?


Eine erste Idee: Dichter sind sensible Wesen. Hölderlin redete aus Liebeskummer zunehmend wirres Zeug. Warum sollte U.B. (Anmerkung der Redaktion: Das Kürzel des Dichters, nicht Unser-BS!) nicht ein gleiches Schicksal ereilt haben? Den Verstand verloren aus Gram über den Schlossbrand, oder zumindest in den Alkohol geflüchtet? Der Ausdruck ‚Schluck noch eitle Bier’ ließe sich so doch schon mal bestens erklären.


Eine zweite Idee: 1865? Das war ja geradezu noch Mittelalter; das Mittelhochdeutsche war damals vielleicht noch keine ferne Erinnerung, wer weiß….

Aber das sind - zugegeben - nichts als hilflose Deuteleien.
Vielleicht hilft ein Blick auf die 5. Strophe weiter, in der U.B. die Quadriga besingt:

Es hat in Erz getrieben sie Howald meisterlich,
Und Rietschel sie geformet, so; hehe und minniglich,
Um deren Namen leuchtet ein heller Strahlenfranz,
in unverwelftem Schimmer und nie gebleichtem Glanz.

So, so, es hat Rietschel die Quadriga also geformet, so; hehe …. Und um des Künstlers unverwelft schimmernden Namen leuchtet ein Strahlenfranz!

Will sich dieser U.B. lustig machen über uns (hehe), oder ist er schizophren? Hört er Stimmen, vielleicht die des Strahlen-Franzes? Ist U.B. ein Pionier des Dadaismus? Oder ist er am Ende nur ein gnadenlos dummer Dilettant?

Wohl nichts von alledem. Anders als es in der durchgängig mehr oder minder eigenartigen Wiedergabe der Braunschweiger Stadtverwaltung scheinen mag, hat U.B. wahrscheinlich ein bieder-braves Gedicht geschrieben, das in seinen 17 Strophen sämtlichen Regeln der Logik und der Grammatik des heutigen Hochdeutschen gehorcht.

Wie ist das möglich? Ganz einfach: Das Gedicht von U.B. erscheint in der Fassung der Verwaltung in einer serifenlosen Schrift. Diese war 1865 nicht gebräuchlich. Also darf man annehmen, dass die Verwaltung das vermutlich in Fraktur stehende Original transskribiert hat. Bei solchen Übersetzungen kann der Ungeübte leicht Fehler machen: z.B. ein Fraktur-Z oder -P für ein ‚B’ lesen, ein Fraktur-k für ein ‚s’ und ein Fraktur-s für ein ‚f’ oder ‚l’ etc. Unter der Annahme, dass die Braunschweiger Verwaltung eben alle diese Fehler gemacht hat, lässt sich das ursprüngliche Gedicht von U.B. leicht rekonstruieren. Es lautet dann in den drei vorgestellten Strophen wie folgt:

Braunschweiger Verwaltungstranskription /
vermutliche Originalfassung
(Hervorhebungen = Abweichungen)

1. Es stand ein Schloss zu Braunschweig, der alten Welfenstadt,
Das nimmer seines Gleichen Deutschen Landen hat.
Richt Riesentürme drohen fein, Festungswall erschredt,
Ein Landhaus möchte es heißen, im grünen Bars versteckt.

1. Es stand ein Schloss zu Braunschweig, der alten Welfenstadt,
Das nimmer seines Gleichen in Deutschen Landen hat.
Nicht Riesentürme drohen, kein Festungswall erschreckt,
Ein Landhaus möcht es heißen, im grünen Park versteckt.



2. Das Aug’ des Wandrers blendet nicht, Schluck noch eitle Bier,
Richt leere Schnörseleien umdüstern Tor und Tür,
Einfach, doch Stolz und Edel es sich im Bau erweist,
So einfach, Stolz und Edel, wie seines herrliches Geist.

2. Das Aug’ des Wandrers blendet nicht Schmuck noch eitle Zier,
Nicht leere Schnörkeleien umdüstern Tor und Tür,
Einfach, doch stolz und edel es sich im Bau erweist,
So einfach, stolz und edel wie seines Herrschers Geist.



5. Es hat in Erz getrieben sie Howald meisterlich,
Und Rietschel sie geformet, so; hehe und minniglich,
Um deren Namen leuchtet ein heller Strahlenfranz,
in unverwelftem Schimmer und nie gebleichtem Glanz.

5. Es hat in Erz getrieben sie Howald meisterlich,
Und Rietschel sie geformet so hehr und minniglich,
Um deren Namen leuchtet ein heller Strahlenkranz,
in unverwelktem Schimmer und nie gebleichtem Glanz.



Die Transkription der Verwaltung wurde nun nicht etwa nur für die Schublade erstellt. Vielmehr diente sie offensichtlich - nur leicht modifiziert - als Grundlage für den Vortrag dieses Gedichtes anlässlich der feierlichen Quadriga-Einweihung am 27.10.2008. Und so trug ein Festredner vor den Honoratioren der Stadt mit viel Pathos so einigen unverständlichen Blödsinn vor, den im einzelnen aufzudröseln ich dem Leser überlasse. Den Zuhörern gefiel es trotzdem, was nicht weiter Wunder nimmt: wer sich die Karikatur des Ottmer-Schlosses mit seinen grotesken schlossähnlichen Inneneinrichtungen als kulturelle Glanztat verkaufen lässt, wird auch bei einem bis zur Karikatur entstellten Gedicht nicht allzu kritisch sein, wenn es nur mit dem entsprechenden hoheitlichen Gestus vorgetragen wird. Und so brandete ungeteilter Beifall auf, als der Redner endlich hochpathetisch mit den Worten schloss:

Reu schafft des Künstlers Mühe uns die Brunonia,
Reu steht im alten Glanze die Burg der Welfen da.


Ja, ja: das Fraktur-N hat es in sich. Aber Fehler sind ja dazu da, dass man aus ihnen lernt. In diesem Sinne:

Auf ein Reues!


 


Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 19. Februar 2012 um 14:33 Uhr
 
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Anker- und Erlebnispfad Mobilität
Apr 07 2012 13:32:18
Rosenbaum schrieb:


Und so haben wir dann den Konzept-Schluss mit der welfischen Marketing-Rolle Braunschweigs für Wolfsburgs Mobilitäts-Entwicklungsvision als Marketing-Gag für die Region Braunschweig-Wolfsburg.

...Fortsetzung folgt...


Kommen wir also zurück zum eigentlichen Ausgangspunkt und Beweggrund für das ganze RIK-Konzept.
Die Region Braunschweig-Wolfsburg entwickele sich "zukünftig zur Verkehrskompetenzregion" (Seite 385).

Flughafen im verkehrlichen Kreuzungspunkt

Deswegen sollen dort die zwei Anker-Attraktionen...
1. das zentrale Besucherzentrum der Gesamt-Region - ggf. in Kombination mit einem sowieso schon geplanten Flughafen-Informationszentrum - im Kreuzungsbereich A2/A39 entstehen.
2. Eine Monorail-Trasse zwischen BS-Hauptbahnhof, Flughafen und Autostadt Wolfsburg
entstehen.
Um diese Monorail sinnvoll in die touristischen Ströme einzubinden, könnte am Flughafen eine Erlebnisattraktion entstehen, die die Verkehrskompetenz der Region zum Thema Luft- und Raumfahrttechnik inszeniert... sollte im Zusammenhang mit dem von der Stadt Braunschweig geplanten Besucherinformationszentrum am Flughafen erfolgen. (S. 386)

Erlebnispfad Mobilität

Obige zwei Anker-Attraktionen verbinden sich mit dem dritten Anker der Autostadt (Wolfsburg), dort eingebettet in Erlebnisräume von Phaeno, Kunstmuseum, Allerpark etc.
#7410
Schlüsselrolle für Fürsten und Adel
Apr 06 2012 17:37:26
Rosenbaum schrieb:

Für Braunschweig bemängelt die Studie im Kapitel ihrer Bestandsaufnahme u.a.:
"Die prägende Geschichte der Welfen ist nicht erlebbar". Dementsprechend dann das Konzept mit dem "Wohlstand & Adel-Erlebnispfad" und als Chance "Inszenierung der Geschichte der Welfen".


Im Kapitel Thematische Entwicklung werden die Schlüsselbegriffe dann für Braunschweig noch einmal ganz deutlich erläutert:
"historische Kultur- und Handelsstadt, Herzogtum und Welfenstadt, Zentrum für Forschung, Stadt der Wissenschaft und Innovationen, Stadt der Musik".

Der Erlebnispfad Wohlstand &Adel wird folgendermaßen als regionale Schlüsselrolle konkretisiert:

Die "Wohlstand und Adel" - Geschichte nimmt eine regionale Schlüsselrolle ein, denn sie berichtet über eindrucksvolle kulturelle Stätten, Persönlichkeiten und Ereignisse, die geprägt waren von Konflikten, Blutvergießen, Liebe, Opfer und Triumpf. Dieser Erlebnispfad führt die Besucher nicht nur zu Schlössern und prunkvollen Bauwerken, sondern auch zu Bibliotheken, Museen und Universitäten und zu ehemals bedeutsamen Handelswegen, die allesamt Teil dieser Geschichte sind.
Die Geschichte der Welfen beispielsweise ist beheimatet in Braunschweig und Wolfenbüttel. Der große Einfluß und die Bedeutung der Welfen wird den Besuchern auf diesem Erlebnispfad interessant und anschaulich vermittelt."
(RIK-Konzept, Seite 277)


Und so haben wir dann den Konzept-Schluss mit der welfischen Marketing-Rolle Braunschweigs für Wolfsburgs Mobilitäts-Entwicklungsvision als Marketing-Gag für die Region Braunschweig-Wolfsburg.

...Fortsetzung folgt...
#7406
VW mit Mobilität und Verkehrstechnik als Bezugspunkte
Apr 06 2012 16:40:35
Rosenbaum schrieb:

Es gebe fünf Schlüsselbegriffe zum Handeln: Wandel, Verbindungen, Magie, Innovation und Mobilität.
In einem Kreativprozeß seien diese Begriffe zu verdichten um das Leitthema Mobilität und diejenigen Entwicklungen, "die es im Bereich Verkehrstechnik in dieser Region gibt und in der Vergangenheit gegeben hat" (RIK-Studie).


Um dieses VW-bestimmte Leitthema sollen sich sogenannte "Erlebnisräume" mit "Erlebnispfaden" gruppieren.

Im Erlebnisraum "Ursprung und Herausforderung"
finden sich dann bezogen auf die einzelnen Standorte z.B. auch der "Wohlstand & Adel Erlebnispfad" (mit Historie rund um die Welfen auf Braunschweig gemünzt), der Industriekulturpfad, Dichter & Denker-Erlebnispfad oder die Erlebnisstraße Deutsche Einheit.

Für Braunschweig bemängelt die Studie im Kapitel ihrer Bestandsaufnahme u.a.:
"Die prägende Geschichte der Welfen ist nicht erlebbar". Dementsprechend dann das Konzept mit dem "Wohlstand & Adel-Erlebnispfad" und als Chance "Inszenierung der Geschichte der Welfen".
#7403
Aw: Wolfsburg als Vorbild Braunschweigs?
Apr 06 2012 14:39:11
Es gibt ein grobe Zweiteilung zwischen Industrie und Dienstleistung. Wolfsburg mit VW ist per se für die Region der industrielle Taktgeber, folgerichtig geht es in der Entwicklung der Gesamtregion dann um die Gestaltungen des Dienstleistungssektors und vor allem um das Image der Region:

Das Leitziel ist die nachhaltige Steigerung der Lebensqualität und die Schaffung von Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor in der Region Braunschweig-Wolfsburg.

(RIK-Studie)


Es gehe um
...positiveres Image ... und die Region als Tourismusdestination zu entwickeln.
(Rik-Studie)


Denn der Tourismus stagniere und gehe sogar leicht zurück, Wolfsburg habe erste Ansätze zum Freizeittourismus realisiert, während z.B. Braunschweig gerade mal bei den Übernachtungen mit Wolfsburg auf gleichem Niveau (479- zu 475-Tausend Übernachtungen) liegt.

Daher bescheinigt die Studie der Region dann insgesamt "verstaubtes Image" und "Mangel an internationaler Attraktivität und Anziehungskraft".

Die Region gerate ins Hintertreffen gegenüber Nachbarregionen, wenn nicht die vorhandenen Stärken und Chancen ausgebaut würden, welches sind:

- Sitz international bekannter Firmen und Marken
- verkehrsgünstige zentrale Lage
- Zeugnisse weltkulturellen Erbes
- bedeutende Schätze deutscher Geschichte und Kultur
- einzigartige Natur- und Landschaftsgebiete (Harz)


Dafür seien nachhaltige Tourismusstrategien mit authentisch regionalen Geschichten und naturräumlichen Reisezielen zu entwickeln.

Als Marken-Pfunde sieht man den Harz mit Kaiserpfalz (GS), über Lessing (WF), über die Welfen bis zu den Unternehmens-Marken VW, Salzgitter-Stahl, New Yorker und Jägermeister etc.

Es gebe fünf Schlüsselbegriffe zum Handeln: Wandel, Verbindungen, Magie, Innovation und Mobilität.
In einem Kreativprozeß seien diese Begriffe zu verdichten um das Leitthema Mobilität und diejenigen Entwicklungen, "die es im Bereich Verkehrstechnik in dieser Region gibt und in der Vergangenheit gegeben hat" (RIK-Studie).
#7401
Wolfsburg als Vorbild Braunschweigs?
Apr 06 2012 14:14:24
Rosenbaum schrieb:
Rosenbaum schrieb:
VW-nah wurde am 15.3.2012 im Wirtschaftsausschuss eine Konzeption 2020 zur weiteren Entwicklung der Region Wolfsburg-Braunschweig präsentiert.

Damit läßt der Aufsichtsrat der neu-gegründeten Wolfsburg-Braunschweig Allianz unter Vorsitz des VW-Mannes Neumann und der beiden Oberbürgermeister Wolfsburgs und Braunschweigs die Katze aus dem Sack.

Während die Wirtschafts- Arbeits- und Produktionssteuerung einschl. Forschung für beide Städte in Wolfsburger Hand liegen soll, bleibt für Braunschweig vor allem die Tourismus-Weiterentwicklung (der Reproduktionsbereich).



Hier noch einmal die Rangordnung, wer im neuen Regions-Masterplan 2020 das Sagen hat:


... links OB Hofmann und rechts OB Schnellecke anläßlich der Sitzung zur regionalen Aufgabenverteilung in einer gemeinsamen "Projekt-Region" Braunschweig-Wolfsburg unter der Federführung von VW, Mitte 2009


Die erfolgreiche Entwicklung der Stadt Wolfsburg dient hierbei als Vorbild...

(Regionsstudie "Allianz für die Region" 2020 unter Federführung der Wolfsburg AG)


Es geht um die Umgestaltung der ganzen Region Braunschweig-Wolfsburg bis zum Jahr 2020 - jetzt vorgelegt zur Beratung im Wirtschaftsausschuß der Stadt BS am 19.4.2012 - von der gemeinsamen Wirtschaftsförderungs-Gemeinschaft unter Vorsitz von VW-Vorstandsmitglied Neumann mit Wolfsburgs und Braunschweigs Oberbürgermeistern als Beisitzern.

Um dieses rd. 500 Seiten starke Konzept gibt es Geheimniskrämerei, nur den Fraktionsstellen wurde die mit passwort geschützte Datei zur Verfügung gestellt.

Mal sehen, warum.


Näheres folgt ...
#7400
Warum macht die BZ keine Hofberichte mehr?
Mar 23 2012 20:22:22
Es ist doch sehr beachtlich, was die neue (oder umgekrempelte?) Lokalredaktion der Braunschweiger Zeitung zum klassischen HOF-Thema beisteuert und dann unter newsclick auch noch diskutieren läßt:

1. Bericht und Biegel Interview zu Victoria Luises Hochzeit von Martin Jasper vor einer Woche, zusätzlich dazu kontroverse Leserbriefe: www.braunschweiger-zeitung.de/debatte/leserbriefe/kontroverse-um-braunschweigs-letzte-herzogin-id620894.html

und nun

2. Bericht über Ratsdebatte zum Jubiläums-Kulturprogramm der Stadtverwaltung von Katja Dartsch vor zwei Tagen:
www.braunschweiger-zeitung.de/lokales/Braunschweig/debatte-im-rat-ueber-welfenhochzeit-id622896.html

Hier dazu einige der krititschen Kommentare in newsclick:
Das brauchen wir unbedingt, schließlich möchte ich OBs Konterfei wieder auf einer Borek- Sondermünzenbeilage geniessen. Unglaublich wie sich die Politik von dem missbrauchen läßt.
Hat stark was von Wulffen wie der der Schlossfassade. Wer hatte damals noch die Hoffmann Parteienwerbung finanziert, ja sein Gönner Borek.
...
Ganz toll! Der Rat verklärt ein Mitglied der Familie, die hauptverantwortlich für die Katastrophe des 1. Weltkriegs ist. Schlimmer geht wohl immer. Glückwunsch an die Linke, die ich bei der letzten Wahl nicht gewählt habe!
...
Steckt Borek in finanziellen Schwierigkeiten, oder warum brauchen wir ein Pseudo-Event zum Wertlos-Medallienverkauf?
...
Es geht noch schlimmer. Im Wirtschaftsausschuss des Rates liegt seit letzter Woche ein Marketing-Konzept zur Abstimmung, wonach Braunschweigs Vorzeigekultur in einem "Wohlstand&Adel-Erlebnispfad" gesehen wird. Und im Kultur-Ausschuss steht bislang die "Sissi-Trilogie" zwecks Indentitätsstiftung mit Victoria-Luise im Filme-Programm.
Von diesem Kaliber dann noch einiges mehr im Kostenumfang von immerhin 1,2 Mio.€? Sind wir denn von allen guten Geistern verlassen? Fragen wir doch mal bei den Ratsleuten nach.
...
Die Kulturschaffenden in der Stadt protestieren auch schon gegen dieses alberne Event, siehe hier:
braunschweig-spiegel.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2603:7-1-fragen-spezial-fuck-luise&catid=57:kategorie-stadtentwicklung&Itemid=129
...
Hab mir den Antrag und das Programm mal durchgelesen und muss sagen, dass der Antrag noch sehr kryptisch wirkt. Insgesamt 1,2 Millionen für Sissi-Film, Gurre-Lieder und irgendwelche Lesungen erscheint mir doch arg überzogen. Hätte ich als Sozialpädagoge so einen Antrag bei der Stadt eingereicht, wäre er umgehend zurück gekommen ...
www.bibs-fraktion.de/fileadmin/user_upload/PDF/2012_03_05_Kulturprojekt13-13Anlage.pdf
...
Super, wird dann wieder so laufen wie bei den Marmorsäulen im Museum der Schlossatrappe. Allen anderen Projekten in Braunschweig werden im Gegenzug die Mittel gestrichen. Hier ist damals auch ein Projekt den Bach runter gegangen, weil in Aussicht gestelltes Geld gestrichen wurde. So schaut Kulturarbeit in Braunschweig aus, dicke Mittel für die ewiggestrigen und die aktuelle Szene kann sehen, wo sie bleibt...www.braunschweiger-zeitung.de/lokales/Braunschweig/debatte-im-rat-ueber-welfenhochzeit-id622896.html


Keine Spur mehr von Hofberichterstattung, im Gegenteil. Da kommen plötzlich auch kritische Stimmen durch, die noch vor einigen Monaten undenkbar unter der BZ-Adresse waren.
Ist das alles nun ein Umschwenken wegen der neuen Mehrheiten im Rat?
#7310
Aw: Das langweilige WOB soll gaga sein?
Mar 20 2012 09:23:16
Das mit den 7 Mio. Besuchern in Wolfsburg pro Jahr kann ich nicht nachvollziehen - gaga hin oder VW-Strahlkraft in Wolfsburg her.

Die "Autostadt" hatte zum zehnjährigen Jubiläum vor zwei Jahren ihren 20 Millionsten Besucher gefeiert (das wären also rd. 2 Mio. Besucher pro Jahr), dazu kommen sicherlich noch zusätzliche Besucher für das phaeno etc. Bei diesen Tagestouristen liegt Wolfsburg daher weit vor Braunschweig.
Die Übernachtungszahlen liegen ähnlich wie in Braunschweig - allerdings bei halb so vielen Einwohnern.

Aber egal, beide Städte und die Region werden immer stärker vom VW-Konzern aus Wolfsburg regiert, das führt uns der vorgelegte Masterplan 2020 ungeschminkt vor Augen.

Wer hat das Sagen, wer regiert ?

Die Selbständigkeit Braunschweigs schwindet, die Macht-Elite von VW hat längst auch politisch das Ruder übernommen, die gewählten Räte der Städte Wolfsburg, Braunschweigs und der übrigen Region können das nicht mal mehr kaschieren, sie re(a)gieren nicht mal mehr, sie gehorchen schlicht.

Und da sind wir bei der Untertänigkeit.

Das ist eine gefährliche Entwicklung, nicht nur im Hinblick auf die verdummende Geschichts-Interpretation rund um Braunschweigs "verwelften Strahlenfranz", sondern auch wirtschaftlich alles andere als weitsichtig, denn die Schwerpunkte der Autoproduktion werden weltweit neu verteilt - Detroit läßt grüßen.
#7290
Das langweilige WOB soll gaga sein?
Mar 19 2012 20:50:36
bruno schrieb:
Aus Sicht von VW gut nachvollziehbar.

Mal so nebenbei lockt man in mit den Erlebniswelten-Gags von Auto-Stadt, phäno und Pink-Floyd-Planetariums-Inszenierungen so um die 7 Millionen Zuschauer-Touristen jährlich nach Wolfsburg, wo doch die Stadt eher gaga ist.



Die Stadtt Wolfsburg soll gaga sein? Wenn es so wäre, würden viele (junge) Braunschweiger sofort ihren Koffer packen und in´s verrückte, lebendige (gaga) Wolfsburg umsiedeln!
Realität ist jedoch, dass viele in WOB arbeiten, meist bei VW! aber ganz bewußt in Braunschweig leben!
#7287
Verwelfte Strahlkraft als VW-Marketing-Gag?
Mar 19 2012 13:13:22
Aus Sicht von VW gut nachvollziehbar.

Mal so nebenbei lockt man in mit den Erlebniswelten-Gags von Auto-Stadt, phäno und Pink-Floyd-Planetariums-Inszenierungen so um die 7 Millionen Zuschauer-Touristen jährlich nach Wolfsburg, wo doch die Stadt eher gaga ist.

Und Braunschweig döst da etwas muffig-bieder trotz schöner Fassaden mit nicht mal ´ner halben Million Übernachtungen hinterher.

Was bleibt da anderes übrig, als sich von VW und den Event-Managern des Konzerns nun auch in Sachen Freizeit und Kultur an die Hand nehmen zu lassen?

Im Bereich Wirtschaft, Forschung und Produktion sowie verkehrliche Infrastruktur kennen wir diese Unterordnung ja schon länger.
#7285
Aw: VW auf Adel-Erlebnispfaden
Mar 19 2012 11:27:38
Bleibt noch nachzutragen, dass die Masterplan-Konzeption vom VW-Mann im Wirtschaftsausschuss als "nicht-öffentlich" deklariert wurde (wegen angeblicher dort einfließender VW-Betriebsgeheimnisse).


Neben dem Kulturprojekt 1913-2013 rund um die Kaisertochter Victoria-Luise wird damit der "Masterplan 2020" zur Umgestaltung Braunschweigs als Freizeit- und Kulturzentrum der Region erahnbar.

Kann sich Braunschweig wirklich damit abfinden, im Dienste der selbsgerechten VW-Produktionswelt zu einem Freizeitpark mit fragwürdiger Fürsten-Strahlkraft und untertäniger Kultur zu verkommen?
#7284
Aw: VW auf Adel-Erlebnispfaden
Mar 17 2012 10:48:27
Rosenbaum schrieb:
VW-nah wurde am 15.3.2012 im Wirtschaftsausschuss eine Konzeption 2020 zur weiteren Entwicklung der Region Wolfsburg-Braunschweig präsentiert.

Damit läßt der Aufsichtsrat der neu-gegründeten Wolfsburg-Braunschweig Allianz unter Vorsitz des VW-Mannes Neumann und der beiden Oberbürgermeister Wolfsburgs und Braunschweigs die Katze aus dem Sack.

Während die Wirtschafts- Arbeits- und Produktionssteuerung einschl. Forschung für beide Städte in Wolfsburger Hand liegen soll, bleibt für Braunschweig vor allem die Tourismus-Weiterentwicklung (der Reproduktionsbereich).



Hier noch einmal die Rangordnung, wer im neuen Regions-Masterplan 2020 das Sagen hat:


... links OB Hofmann und rechts OB Schnellecke anläßlich der Sitzung zur regionalen Aufgabenverteilung in einer gemeinsamen "Projekt-Region" Braunschweig-Wolfsburg unter der Federführung von VW, Mitte 2009
#7267
VW auf "Adel-Erlebnispfaden"
Mar 16 2012 19:21:41
VW-nah wurde am 15.3.2012 im Wirtschaftsausschuss eine Konzeption 2020 zur weiteren Entwicklung der Region Wolfsburg-Braunschweig präsentiert.

Damit läßt der Aufsichtsrat der neu-gegründeten Wolfsburg-Braunschweig Allianz unter Vorsitz des VW-Mannes Neumann und der beiden Oberbürgermeister Wolfsburgs und Braunschweigs die Katze aus dem Sack.

Während die Wirtschafts- Arbeits- und Produktionssteuerung einschl. Forschung für beide Städte in Wolfsburger Hand liegen soll, bleibt für Braunschweig vor allem die Tourismus-Weiterentwicklung (der Reproduktionsbereich).

Interessant ist dabei, welche Identitäten herausgestellt werden sollen:


Die Region Braunschweig-Wolfsburg soll bis 2020 die bundesweite Referenzregion für Arbeit und Lebensqualität werden.
...

Erlebnispfade:
• Erlebnispfad der Geschichte
• Schriftsteller, Dichter & Denker-Erlebnispfad
Wohlstand & Adel-Erlebnispfad
• Industriekulturpfad
• Erlebnisstraße der Deutschen Einheit
• Busrundfahrten / Schulklassenfahrten

...
Stärken
• Verkehrsgünstige, zentrale Lage, kurze
Wege, gute Verbindungen
• Attraktive Natur- und Landschaftsgebiete
(Harz, Südheide, Elm-Lappwald)
• Bedeutende Schätze deutscher
Geschichte und Kultur (Welfen, Kulturlandschaft in Braunschweig, Lessingstadt Wolfenbüttel, Schöninger Speere)
• Autostadt und Erlebnisstadt Wolfsburg

(Quelle: offizielle Präsentation des Generalbevollmächtigten der Wolfsburg AG am 15.3.2012 im Wirtschaftsausschuss)


Die Nachfrage, was denn wohl mit dem Begriffspaar "Wohlstand & Adel" gemeint sei, überforderte den Generalbevollmächtigten der Wolfsburg AG.

Um es deutlich zu sagen: Nichts ist gegen die Kultur-Reichtümer der Region und deren Präsentation zu sagen, auch nichts gegen deren touristischer Herausstellung; viel aber gegen die verwelfte Strahlkraft und verquaste Verdrehung rund um die Fürstenherrschaft.
#7255
Gegenkonzept zur Glorifizierung des Adels im Rat
Mar 09 2012 20:27:09
Es freut mich das die LINKE sich mir einen Konzeptvorschlag und u.a., der Forderung nach einem schlüssigen und sparsamen Finanzierungskonzept eingebracht hat!
Da habe ich sie doch mal gleich aus der Ecke geholt...lach.

Ich finde gerade den letzten Satz auch sehr gelungen:"...Diese Mehrheit ist abgewählt und die "neue offene Ratsmehrheit" sollte auch in der Kulturpolitik neue Akzente setzen und nicht den alten Fürstenunsinn einfach weiterführen...."siehe dazu auch den Beitrag auf braunschweig-spiegel: www.braunschweig-spiegel.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2643:schluss-mit-engstirniger-kulturpolitik-und-qfuersteneventsq&catid=66:politik-kategorie-kultur&Itemid=146


P.S: nicht vergessen, sicher zu regenerativen Stromanbietern wechseln:
www.atomausstieg-selber-machen.de
#7211
Gegenkonzept zur Glorifizierung des Adels im Rat
Mar 09 2012 17:52:54
Die Linken bringen zur nächsten Ratssitzung einen Antrag zur Neu-Konzeptionierung des Kulturprojektes ein

Rat 20.03.2012
Betreff 1913-2013 Geschichte statt Geschichten

Der Rat wird gebeten zu beschließen:

Die Verwaltung wird beauftragt, dem Rat zu einer seiner nächsten beiden Sitzungen eine Beschlussvorlage zur geplanten Veranstaltung „1913 – 2013“ zu erstellen.
Die Beschlussvorlage soll Vorschläge zu folgenden Bereichen enthalten:

- Konzeptentwicklung: Hier sind Personen zu benennen, die umfassenden Sachverstand zur historischen Situation Braunschweigs im Jahr 1913 besitzen und parteipolitisch unabhängig sind.

- Gremienbeteiligung: Die einzelnen Stufen der Konzeptentwicklung und die jeweilige Beschlussfassung über diese Stufen im Ausschuss für Kultur und Wissenschaft sind darzustellen.

- Themenkomplexe:
1. Lage der Bevölkerung in Braunschweig im Vorkriegsjahr (z.B. Wohnungssituation)
2. Die Welfenhochzeit im Kontext der militaristischen Kräfte Deutschlands
3. Die Rolle des Adels im Allgemeinen und der Welfen im Besonderen bei Vorbereitung und Durchführung des 1. und 2. Weltkrieges
4. Abdankung des Herzogs, Arbeiter- und Soldatenrat und Ausrufung der „sozialistischen Republik Braunschweig“
5. Erforschung der Ursachen von Glorifizierung des Adels in der heutigen Zeit
- schlüssiges und sparsames Finanzierungskonzept
Begründung: erfolgt mündlich
Udo Sommerfeld


siehe dazu auch den Beitrag auf braunschweig-spiegel:
www.braunschweig-spiegel.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2643:schluss-mit-engstirniger-kulturpolitik-und-qfuersteneventsq&catid=66:politik-kategorie-kultur&Itemid=146
#7210
1,2 Millionen Euro für Rückwärts gerichtete Kultur
Mar 07 2012 21:20:02
Ah!
Jetzt verstehe ich es auch- danke für "Klartext" nochmal auf den Ursprungstext hinzuweisen.
Ich war doch einiger Maßen verwirrt Braunschweig in den "Gurre Liedern" zu lesen...lach
Super gemacht "Lord Schadt"!
Ja, vielleicht inspiriert es ja zu weiteren Übertragungen auf BS
Das wäre mir, wie ich finde, dann ein Abend mit den Staatsorchester wert!

Aber ich bleibe bei meinen Kommentaren von vorletzten mal: Wie kann das Geld bewilligt werden, wenn das Konzeptpapier noch nicht einsehbar war!
Jede/r Geschäftfrau/ mann hätte auf Grundlage dieser Fakten kein Geschäft gemacht!
Und eine Bank schon gar nicht.
Die hätten nicht mal 500.-Euro gegeben!
Aber die Ratsfrauen-männer hatten schon zugestimmt!
Das stinkt doch zum Himmel!
Da ist doch was faul!
Der Fisch, stinkt vom Kopf her!

Das ist kein "Konzept" das ist "Bananenrepublik" Politik!
Und die SPD,CDU und Grüne sollten sich in die Ecke stellen und schämen!
Das ist doch keine fraktionelle Arbeit sondern schachern und buckeln!
Mir fehlt gerade wie Lord Schadt die Gelassenheit weiter zu schreiben.
1.2 Millionen Euro.....
#7194
Aw: 1,2 Millionen Euro für Rückwärts gerichtete Kultur
Mar 07 2012 16:07:58
Lord Schadt schrieb:

Passt nicht wirklich zu einem 100. Hochzeitstag? Vielleicht doch. Oder wie wikipedia sagt:
Im gespenstischen Nachspiel ruft König Hoffmann seine toten Mannen aus ihren Gräbern. Als rastlose, unerlöste Tote reiten sie nachts in wilder Jagd um die Braunschweiger Schlossfassade, bis der Tag graut und sie wieder im Todesschlaf versinken. Der Sprecher erzählt vom morgendlichen Wind, der dem nächtlichen Spuk ein Ende bereitet. Alles mündet in den grandiosen, vom achtstimmigen gemischten Chor intonierten Schlusschor „Seht die Sonne“. Dieser strahlende Sonnenaufgang bildet den optimistischen Abschluss von Hoffmanns Schreckensherrschaft.
Ich hab mir erlaubt, vier Wörter im Text zur Erläuterung zu verändern.


Wieder mal bissig und kreativ aktualisiert von Lord Schadt, vielleicht inspiriert der Original-Klartext der Gurre-Lieder zu weiteren Übertragungen nach Braunschweig.
#7193
Aw: 1,2 Millionen Euro für Rückwärts gerichtete Kultur
Mar 07 2012 15:29:07
Danke für den Hinweis auf das Konzept der Veranstaltung.

Bei genauerem Lesen beweist es doch einigen Humor.
Die Veranstaltung bietet: "aus Sicht der Verwaltung für die Stadt Braunschweig eine Chance, das kulturelle Potenzial der Stadt in den Vordergrund zu rücken."

Klingt erstmal gut. In der Umsetzung sind nun drei kulturelle Aktionen geplant:
1) Eine etwas skurile Filmreihe
Ein dreieinhalbminütiger Experimentalfilm, Sissi-Filme, die englische Mörderkomödie "Adel verpflichtet" und ein Dokumentarfilm über Kaiser Wilhelm II. sollen gezeigt werden. Der letzte Film enthält übrigens auch den kompletten oben genannten Experimentalfilm, wodurch es im Programm zu Wiederholungen kommt.
Immerhin kann man sich durch die Doku einen guten Einblick in die Zeit verschaffen, oder wie ein amazon-Rezensent schreibt:
"Im Kino wirkten diese oftmals noch recht unbeholfen wirkenden Filmszenen aus den Kinderjahren des Zwanzigsten Jahrhunderts mit einem pfauenartig stolzierenden Kaiser und einer Ringelreihen tanzenden Kaiserin auf mich durchaus manchmal lächerlich."
Passt also gut zur Veranstaltung



2) Das Staatsorchester spielt die Gurre-Lieder von Arnold Schönberg
Das Staatsorchester beweist mal wieder Humor. Schon zur Schlosseröffnung gab es den Vorschlag, von Franz Liszt "Les Préludes" zu spielen, auch bekannt als die Titelhymne der deutschen Wochenschau zwischen 1940 und 1945. Der Vorschlag wurde leider abgelehnt.
Diesmal fällt der kulturelle Beitrag etwas subtiler aus. Der Stoff von den Gurre-Liedern behandelt die mittelalterliche Legende um die Liebe des Dänenkönigs Valdemar zu der schönen Tove und die Eifersucht der Königin, die Tove schließlich ermordete.
Passt nicht wirklich zu einem 100. Hochzeitstag? Vielleicht doch. Oder wie wikipedia sagt:
Im gespenstischen Nachspiel ruft König Hoffmann seine toten Mannen aus ihren Gräbern. Als rastlose, unerlöste Tote reiten sie nachts in wilder Jagd um die Braunschweiger Schlossfassade, bis der Tag graut und sie wieder im Todesschlaf versinken. Der Sprecher erzählt vom morgendlichen Wind, der dem nächtlichen Spuk ein Ende bereitet. Alles mündet in den grandiosen, vom achtstimmigen gemischten Chor intonierten Schlusschor „Seht die Sonne“. Dieser strahlende Sonnenaufgang bildet den optimistischen Abschluss von Hoffmanns Schreckensherrschaft.
Ich hab mir erlaubt, vier Wörter im Text zur Erläuterung zu verändern. Besten Dank an meine Quelle vom Staatsorchester für die Einführung in Schönbergs Werk

3) Ein Lesungskonzept
An unterschiedlichen Orten der Stadt finden mit irgendwelchen Kooperationspartnern Lesungen von irgendwelchen Schriftstellern statt. So viel zum "Konzept".

Was heißt das nun konkret: Das kulturelle Potential besteht aus Sicht der Stadtverwaltung aus Filmen von nicht-braunschweiger Filmemachern, aus der Musik von Arnold Schönberg und aus irgendwelchen Lesungen.
Ich wollte grad noch einen Kommentar dazu schreiben, aber ich merke, dass mir dafür die nötige Gelassenheit fehlt ...
#7192
1,2 Millionen Euro für Rückwärts gerichtete Kultur
Mar 07 2012 13:56:19
Vorletzte Kommentar von Rosenbaum unbedigt ansehen und mal auf Link klicken: das ist echte "Bananenrepublik" Politik!

P.S:
"...Bruno hat es mit einen Lord Schadt Zitat, auf den Punkt gebracht!Augen zu und durch? Aus Rücksicht auf den Schenker der Quadriga und der eigenwilligen Gedicht-Kultur?
Wahrscheinlich. Lord Schadt hinterleuchtet das treffend:

Das FBZ wurde abgerissen, das Kulturinstitut „Die Brücke“ weit unter wert verkauft, der Fire-Abend geschlossen, Hartmut El Kurdi wurde aus der Stadt gejagt, Kulturvereine werden kaputt gespart. Stattdessen wird eine herzogliche Kultur gefeiert. Millionen werden für Otto IV. und Luise ausgegeben, damit Richard Borek V. seine nächste Münzsammlung teuer verkaufen kann und Hoffmann I. sich wie ein König aufführen darfwww.braunschweig-spiegel.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2603:7-1-fragen-spezial-fuck-luise&catid=57:kategorie-stadtentwicklung&Itemid=129

(und siehe dazu, hier Seite 1, vorangegangene Kommentare)Es liegt doch auf der Hand, das Hr. Borek eine neue Münzsammlung verkaufen will und da kommt Ihn, eine bisher noch nicht wieder entdeckte und künstlich belebte herzogliche Feierlichkeit wie gerufen!
(Ein Schelm, der böses dabei denkt)

Und ein anderer „Held“ und Schelm unserer Stadt, nämlich Till Eulenspiegel hätte seine wahre Freude an dieser Kleinstadt Komödie/ Drama gehabt...."

P.S.: nicht vergessen schnell noch die echte Energiewende mitbestimmen und in 15 min.
sicher zu regenerativen und dezentralen Stromerzeugern wechseln:
www.atomausstig-selber-machen.de
#7190
Heiraten und Feiern in Sack und Asche?
Mar 07 2012 13:37:29
Und nicht für eine "Sissy" Veranstaltung.
Das Leben besteht nicht nur aus schwarz und weiß!
Sondern es gibt ganz viele Farben dazwischen, nämlich einen ganzen Regenbogen!

Ja, Sonnenschein, dann solltest Du auch andere Meinungen und Lebensvorstellungen, die nicht mit Deinen Eigenen übereinstimmen, tolerieren!
Meine Frage war, wie jemand der Prunk und Protz in Form von schicken Roben ablehnt, heiratet?

Besucht Ihr Tanzveranstaltungen, auf denen man Ballkleider trägt?
#7189
Aw: 1,2 Millionen Euro für Rückwärts gerichtete Kultur
Mar 07 2012 13:27:17
Sonnenschein schrieb:

Das Konzeptpapier ist immer noch nicht öffentlich, obwohl die Heimlichkeit bereits am Freitag im Kulturausschuss gerügt wurde!
Und das ist, wie ich finde einer der interessantesten Teile an dieser „Sissy“ Geschichte!


Seit Montag ist das "Konzept" - oder besser, was die Verwaltung auf Drängen aus Ratskreisen als solches vorgelegt hat, durch die BIBS-Fraktion öffentlich.
www.bibs-fraktion.de/index.php?id=312

Einfach hier draufklicken und bis zum Tagesordnungspunkt nach Nr. 21 noch hinter Bürgeranfragen der Ratssitzung scrollen.
#7188
1,2 Millionen Euro für Rückwärts gerichtete Kultur
Mar 07 2012 13:01:31
Bruno hat es mit einen Lord Schadt Zitat, auf den Punkt gebracht!Augen zu und durch? Aus Rücksicht auf den Schenker der Quadriga und der eigenwilligen Gedicht-Kultur?
Wahrscheinlich. Lord Schadt hinterleuchtet das treffend:

Das FBZ wurde abgerissen, das Kulturinstitut „Die Brücke“ weit unter wert verkauft, der Fire-Abend geschlossen, Hartmut El Kurdi wurde aus der Stadt gejagt, Kulturvereine werden kaputt gespart. Stattdessen wird eine herzogliche Kultur gefeiert. Millionen werden für Otto IV. und Luise ausgegeben, damit Richard Borek V. seine nächste Münzsammlung teuer verkaufen kann und Hoffmann I. sich wie ein König aufführen darf
www.braunschweig-spiegel.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2603:7-1-fragen-spezial-fuck-luise&catid=57:kategorie-stadtentwicklung&Itemid=129
(und siehe dazu, hier Seite 1, vorangegangene Kommentare)

Es liegt doch auf der Hand, das Hr. Borek eine neue Münzsammlung verkaufen will und da kommt Ihn, eine bisher noch nicht wieder entdeckte und künstlich belebte herzogliche Feierlichkeit wie gerufen!
(Ein Schelm, der böses dabei denkt)

Und ein anderer „Held“ und Schelm unserer Stadt, nämlich Till Eulenspiegel hätte seine wahre Freude an dieser Kleinstadt Komödie/ Drama gehabt.

Ich will mein Geld, für die Gegenwart und Zukunft eingesetzt Wissen!
Und nicht für eine "Sissy" Veranstaltung.
Das Leben besteht nicht nur aus schwarz und weiß!
Sondern es gibt ganz viele Farben dazwischen, nämlich einen ganzen Regenbogen!
Wichtige Ergänzungen dazu:
braunschweig-online.com/bibs-forum/48-artikel-der-startseite/7031-traditionspflege-mit-herzoglichem-feldkorps.html

Das Konzeptpapier ist immer noch nicht öffentlich, obwohl die Heimlichkeit bereits am Freitag im Kulturausschuss gerügt wurde!
Und das ist, wie ich finde einer der interessantesten Teile an dieser „Sissy“ Geschichte!
Wie kann das Geld bewilligt werden, wenn das Konzeptpapier noch nicht einsehbar ist!
Jede/r Geschäftfrau/ mann hätte auf Grundlage dieser Fakten kein Geschäft gemacht!
Und eine Bank schon gar nicht. Aber die Ratsfrauen-männer haben schon zugestimmt! Das stinkt doch zum Himmel!
Da ist doch was faul!
Der Fisch, stinkt vom Kopf her!
"Der Kopf ist rund damit das denken, die Richtung ändern kann" und "Lieber Sein als Schein"

P.S.: nicht vergessen schnell noch die echte Energiewende mitbestimmen und in 15 min.
sicher zu regenerativen und dezentralen Stromerzeugern wechseln:
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#7187
Festliche Roben
Mar 07 2012 10:19:46
bruno schrieb:
...und wer wolte sich nicht mit Romy Schneider (alias Sissi) identifizieren

Mit Sissy identifizieren? Wer will das schon?

Sissy trug schöne Kleider, war jedoch nicht glücklich, weil sie unter den strengen Sitten ihrer Zeit litt.
Zitat: Ich wandle einsam hin auf dieser Erde, der Lust, dem Leben längst schon abgewandt; es teilt mein Seelenleben kein Gefährte, die Seele gab es nie, die mich verstand

Apropos Hochzeitskleider: die meisten Frauen heiraten sie in weiß, weil sie auf festliche Roben stehen.

Da ihr das alles ablehnt- heiratet ihr in Sack und Asche?
#7186
Aw: "Sissy" ist nicht der Kosename von Viktoria Luise!
Mar 06 2012 23:00:13
Sissi ist nicht Victoria-Luise, das wurde auch nicht behauptet. Es geht um die Konzeption für das Kultur-Spektakel rund um die fürstliche Hochzeit, die jetzt auf der BIBS-Fraktionsseite öffentlich gestellt worden ist. Da heißt es auf Seite 9 (was so alles zum Jubiläum als Kultur veranstaltet werden soll):

Filmreihe „Gekrönte Häupter“
Kooperationspartner: C1, Universum, Kulturinstitut Roter Saal (DOK-Film)
Der Titel der Filmreihe lässt Spielraum, unterschiedlichste Filmgenres zu: Von der reinen Dokumentation (z.B. Krönung Queen Elisabeth II) über Dokumentationsfilme wie „Majestät brauchen Sonne“ von Peter Schamoni, „Viktoria Luise 1913 – experimental color movie“, Spielfilmklassikern wie „Marie Antoinette“, „Adel Verpflichtet“ oder gar der „Sissi-Trilogie“.
www.bibs-fraktion.de/fileadmin/user_upload/PDF/2012_03_05_Kulturprojekt13-13Anlage.pdf




...und wer wolte sich nicht mit Romy Schneider (alias Sissi) identifizieren
#7183
"Sissy" ist nicht der Kosename von Viktoria Luise!
Mar 06 2012 19:09:09
"Sissy" war der Kosename für Prinzessin Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern, der zweitältesten Tochter von Herzogin Ludovika und Herzog Max * 24. Dezember 1837 in München, Königreich Bayern; † 10. September 1898 in Genf, Prinzessin aus der herzoglichen Nebenlinie Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen des Hauses Wittelsbach und durch ihre Heirat mit Franz Joseph I. ab 1854 Kaiserin von Österreich und seit dem Ausgleich von 1867 auch Apostolische Königin von Ungarn.
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Sissi_%28Film%29
de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_von_%C3%96sterreich-Ungarn



Unsere Prinzessin Viktoria Luise Adelheid Mathilde Charlotte von Preußen war siebtes und jüngstes Kind sowie einzige Tochter Kaiserin Auguste Viktorias und Kaiser Wilhelms II., Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg, Prinzessin von Hannover, Prinzessin von Großbritannien und Irland * 13. September 1892 in Potsdam; † 11. Dezember 1980 in Hannover, begesetzt vor dem Mausoleum der Könige in Hannover.
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Viktoria_Luise_von_Preu%C3%9Fen


Zwei völlig unterschiedliche Frauen!
#7182
Aw: Unverwelfter Strahlenfranz
Mar 06 2012 17:37:27
Sissi-Filme oder Sissi-Selbstbildnisse für Braunschweig, die Dummheit der Fürsten-Ehrfürchtigen scheint ohne Grenzen.

Habe gerade mal kontrolliert, ob sich auf der Homepage der Stadt zum "Strahlenfranz" was getan hat.

Hat es nicht, hier der Beweis:

Das
Herzögliche Schloss
zu Braunschweig
Zerstörung
durch Brand.
In der Nacht vom 23.zum 24. Februar 1865.
Gedicht
von
U. B.
Selbstverlag des Dichters
Braunschweig.
Druck von G. Sievers & Tromp.
Preis: 1 ½ Groschen

Es stand ein Schloss zu Braunschweig, der alten Welfenstadt,
Das nimmer seines Gleichen Deutschen Landen hat.
Richt Riesentürme drohen fein, Festungswall erschredt,
Ein Landhaus möchte es heißen, im grünen Bars versteckt.
Das Aug´ des Wandrers blendet nicht, Schluck noch eitle Bier,
Richt leere Schnörseleien umdüstern Tor und Tür,
Einfach, doch Stolz und Edel es sich im Bau erweist,
So einfach, Stolz und Edel, wie seines herrliches Geist.
...
Um deren Namen leuchtet ein heller Strahlenfranz,
In unverwelftem Schimmer und nie gebleichtem Glanz.
...
www2.braunschweig.de/quadriga-aufbringung/Schlossgedicht.pdf


Augen zu und durch? Aus Rücksicht auf den Schenker der Quadriga und der eigenwilligen Gedicht-Kultur?

Wahrscheinlich. Lord Schadt hinterleuchtet das treffend:
Das FBZ wurde abgerissen, das Kulturinstitut „Die Brücke“ weit unter wert verkauft, der Fire-Abend geschlossen, Hartmut El Kurdi wurde aus der Stadt gejagt, Kulturvereine werden kaputt gespart. Stattdessen wird eine herzögliche Kultur gefeiert. Millionen werden für Otto IV. und Luise ausgegeben, damit Richard Borek V. seine nächste Münzsammlung teuer verkaufen kann und Hoffmann I. sich wie ein König aufführen darf
www.braunschweig-spiegel.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2603:7-1-fragen-spezial-fuck-luise&catid=57:kategorie-stadtentwicklung&Itemid=129
#7181
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